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Pfarreiengemeinschaft Lengerich-Bawinkel

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Das Glockenbeiern

 

Kirchenglocken werden beim Läuten so lange geschwungen, bis der bewegliche Klöppel an die Glocke schlägt. Dafür ist es notwendig, die schweren Glocken mit ihrem gesamten Gewicht ständig hin und her zu schwingen. Aus einem Kirchengeläut mit mehreren Glocken- ähnlich einem Glockenspiel- lässt sich eine Melodie spielen. Dabei werden die Glocken in einer bestimmten Tonfolge mit Takt und Melodie kurz angeschlagen. Diese Technik des Läutens nennt man “Beiern”. Das Wort beiern entspricht dem mittelniederländischen “beiaert” (Glockenspiel) oder “beiaerden” (die unbewegten Glocken mit dem Klöppel anschlagen). Die Anfänge liegen möglicherweise im heutigen deutsch-französisch-niederländischen Grenzraum und sind seit dem 13. Jahrhundert überliefert.

Glockenläuten ist ein Bestandteil der Religionsausübung und somit in Deutschland durch das Grundrecht der Religionsfreiheit (Art. 4 GG) geschützt.

Das Beiern in Lengerich hat eine lange Tradition. Sicher hat es in den Glaubenswirren der oranischen Zeit nach der Besetzung Lengerichs durch die Niederländer 1674 bis zum Ende der preussischen Herrschaft der Grafschaft Lingen, keine Fronleichnamsprozession gegeben und ist auch nicht gebeiert worden. Erst nach dem Wiener Kongress 1816 erhalten die Gläubigen eine Genehmigung zur Fronleichnamsprozession. In der Chronik des Küsters Goldschmidt ist 1837 überliefert, das am 25. Mai des Jahres, wie bisher eine Fronleichnams-prozession stattfindet, die Straßen reichlich geschmückt sind und gebeiert wurde.

In manchen Orten wird zu mehreren kirchlichen Hochfesten gebeiert oder besonders geläutet. In Lengerich wird nur zu Fronleichnam gebeiert. Ausser im Jahr 2013. In diesem Jahr wurde Johannes Wübbe zum Weihbischof ernannt. Bei der Heimatprimiz im November 2013 betätigten die Beiermänner die Glocken und beierten eine halbe Stunde nach der Messe, wo Weihbischof Johannes Wübbe vor der Kirche stand und die Glückwünsche der Gläubigen entgegen nahm.

Damit man auf unseren Glocken eine Melodie spielen kann, müssen sie zunächst in Schräglage geknebelt werden. Dies geschieht mit Handarbeit, sowie mit Seilen und Stangen zum festmachen. An den Klöppeln werden Seile gebunden und mit dem Glockenstuhl verspannt.

 

 

Ein kräftiger Zug am Seil, und der Klöppel schlägt gegen die Glocke. In Lengerich bedient man jeweils zwei Glocken, so dass insgesamt vier Töne zur Verfügung stehen. Bim, bam, beier ist die einfachste und bekannteste Melodie. Die Tonfolge einmal hinauf und wieder runter ist möglich bis hin zu kleinen Melodien wie: “Christus, Herr, wird bitten Dich!” oder “Christus, Herr, wir danken Dir!” Da die Klöppel recht schwer sind und in raschem Takt geschlagen werden, wechseln sich die Beiermänner nach jedem Stück ab. Gleichwohl ist das Beiern eine anstrengende Art des Musizierens. Außerdem müssen die Männer sich beim Beiern voll auf die Melodie konzentrieren, denn Tonfolge und Takt beider Glöckner müssen ja genau synchron sein.

 

 

 

Mit Beginn der Prozession beginnt das Glockenbeiern. Während die Prozession unterwegs ist, wird jetzt ohne Unterbrechung gebeiert. Steht die Prozession vor einer Gebetsstation, so wird das Beiern ausgesetzt. Damit die Männer im Glockenstuhl wissen, ob die Prozession gerade geht oder steht, sitzt ein Mann an einer Öffnung oben im Turm und beobachtet den Prozessionsverlauf.

Folgende 4 Glocken hängen in der St. Benedikt Kirche zu Lengerich:

 

  • Die C-Glocke, 1889 kg schwer, lateinische Inschrift übersetzt: Hl. Maria, ohne Makel empfangen, bitte für uns. Mich hat gegossen Joh. Jakobus Radler aus Hildesheim im Jahr des Herrn 1873
  • Die D-Glocke, 1400 kg schwer, lateinische Inschrift übersetzt: Mich hat gegossen Johannes Jakobus Radler in Hildesheim im Jahr des Herrn 1874, Heiliger Benedikt, bitte für uns.
  • Eine E-Glocke, 1340 kg schwer mit der lateinischen Inschrift: Hl. Maria, Königin des Friedens, bitte für uns (gegossen 1955 von der Glockengießerei Petit und Edelbrock, Gescher).
  • Eine G-Glocke, die 1926 von der Gießerei Otto aus Hemelingen hergestellt wurde.

 

Da seit einigen Jahren der Fronleichnamstag kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, wird die Prozession auf den darauf folgenden Sonntag gelegt. Wenn die Beiermänner die Glocken betätigen, erschallt über das Dorf die Melodie:” Christus, Herr, wird danken Dir!” Am Vortag proben die Beiermänner schon einmal. Hier dürfen Interessierte gern einmal selbst mit Hand anlegen. Eine starke Mannschaft mit Johannes Buschmeyer, Michael und Ludger Buschmeyer, Frank Gerdes, Dirk Holterhus, Werner Mäß, Michael Köbbe, Michael Merscher, Guido Janning und Bürgermeister Gerd Wübbe bilden ein Team.  Im Jahr 2020 wird es aufgrund der Coronapandemie keine Fronleichnamsprozession geben.

 

 

Hier ein Link zum Glocken-Beiern am Fronleichnamsfest.

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